Update: Anscheinend wurde unser Auto doch umgeschrieben. Ich habe nämlich heute Post vom Strassenverkehrsamt bekommen.
Nach knapp drei Wochen Wartezeit wird es langsam mal wieder Zeit für einen Artikel über meinen Stand der Dinge.
Es fällt mir selber schwer, die letzten Wochen in Worte zu fassen. Ich habe sehr tolle Menschen kennen gelernt und das wahre Gesicht Australiens zu spüren bekommen. Deswegen schreibe ich selber sehr gespannt diesen Artikel und schaue mit Freude auf meine bisherigen Erlebnisse, Erfahrungen und Begegnungen, gefüllt mit Freude aber auch mit Rückschlägen, zurück. Doch eine Sache ist jetzt schon sicher: Ich liebe den „Australian Way of Life“
Rückblick: Der letzte Artikel handelte noch unteranderem von unserem Besuch einer Hinterhofwerkstatt in Brisbane, in der der Motor unseres Econovans ausgetauscht wurde und der Chef uns angeboten hat, ein Bett in unseren Van zu bauen. Wir waren aber über dieses Angebot sehr skeptisch, da uns dieser nicht sehr vertrauenswürdig rüber kam. Außerdem erhielten wir von unserem Autohändler eine SMS, die besagte, dass wir 100 $ für das Abschleppen bezahlen müssten. Ich sage nur eins dazu: Das sind alles Betrüger und Halsabschneider (später zeigt sich noch „warum?“)
Deprimiert, lustlos und mit dem Gedanken kein Schlafplatz zu finden sind wir am Donnerstag, den 17.11.2011, zum Ikea und in einem Camping- Shop gefahren um die ersten Besorgungen für unseren Van zu tätigen. Zwischen Missverständnissen und kleinen Streitigkeiten beim Einkauf zwischen Ilya und mir sind wir dann am Abend hungrig zum Aldi gefahren. Dort trafen wir Michael, ein Deutscher, der schon über 30 Jahre in Australien lebt und uns direkt eine Schlafmöglichkeit in seinem Haus anbot, nachdem wir ihm unsere jetzige Situation erzählt hatten. Lange zögerten wir nicht und nahmen sein Angebot dankend an.
Deswegen mein Facebook- Eintrag: „Zur richtigen Zeit am richtigen Ort“
Dort angekommen erwartete uns gleich ein sehr gemütliches Haus und einem Resort- änhlichem Garten mit Pool und allem Extra. Als Sahnehäubchen für mich: Michael hat sein eigenes Tonstudio.
Nach einem leckeren Abendessen, bei dem wir ihm unsere weiteren Sorgen erzählt hatten, ging es dann für uns ins Bett um am nächsten Tag fit für den Betteinbau in unserem Van zu sein. Mit einem angeschwollen Finger (Mosquito- Stich)sind wir am nächsten Tag mit Michael und Robert (Michaels Bekannter) in den nächsten Baumarkt und Schrottplatz gefahren um das Holz für das Bett zu besorgen. Dann wurden Kreissäge und Akkuschrauber angeschmissen und nach ca. 6 Stunden schweißtreibender Arbeit in der prallen Sonne war das Ding im Kasten.
Das Wochenende haben wir mit guter und endlich wieder entspannter Laune verbracht. Kleine Hausarbeiten wurden erledigt und kleine Insider- Tipps und Kontaktadressen (für die Arbeitsuche) erhalten. Doch am Montag sanken Ilyas und meine Laune auf Rekordtief nach einem Besuch beim Straßenverkehrsamt um eine Unstimmigkeit in der Strassenzulassung (Rego) zu klären. Dabei haben wir erfahren, dass der Autohändler das Auto nicht auf uns umgeschrieben hat. Ein Gespräch mit ihm am Telefon wurde durch ein „auflegen“ seinerseits beendet. Seriosität sieht anders aus. Doch durch den Kaufvertrag ist bewiesen, dass das Auto uns gehört, was auch die Dame vom Strassenvekehrsamt bestätigte und die Möglichkeit äußerte, den Van bei Ablauf der Rego auf unsere Namen umzuschreiben.
Ein weiterer Werkstattbesuch erhöhte die Kosten des Vans um weitere 1000$, da einige Reparaturen gemacht werden müssen. Doch wie es hier so schön heißt: „No worries!“
So zogen wir dann am Dienstag, denn 22.11.2011, beim Michael aus um unsere Reise endlich anzutreten. Die Reparaturen werden wir im Laufe unserer Reise „fixen“.
Ein großes Dankeschön geht hier nochmal an Michael. Er ist ein toller Mensch, der uns den eigentlichen Startschuss für unsere Reise gegeben hat und uns so großartig unterstützt hat. Danke.
„So habe ich mir Australische Gastfreundlichkeit vorgestellt, Michael.“
Erstes Ziel: Wieder Byron Bay und dann Stanthorpe
So saßen wir da, in unserem Van, und tuckerten mit 80 km/h auf der linken Spur über den Highway in Richtung Byron Bay. Hinter uns folgte uns Hannes, den wir in Brisbane getroffen haben und die gleichen Ziele, wie wir sie haben, verfolgt. Ca. 2 ½ Stunden später und keiner Idee einen geeigneten Schlafplatz zu finden, drehten wir einige Runden durch Byron Bay und besichtigten den örtlichen Strand. Spontan und frei, wie man hier ist, nahmen wir dann den Parkplatz von Woolworth in Anspruch und verbrachten die erste Nacht ihm Van.
Die nächsten zwei Tage in Byron Bay waren eher uninteressant. Es war kalt und die ganze Zeit am Regnen.
„Ein Glück, das ich hier schon bei schönerem Wetter war.“
So beschlossen wir am Donnerstag, den 24.11.2011, weiter nach Stanthorpe zu reisen um dort unsere Reisekasse mit einem Fruit- Picking Job aufzufüllen. Nach einem Zwischenstopp in Tenterfield für eine Nacht, erreichten wir am Freitag, den 25.11.2011, Stanthorpe und wurden dort gleich enttäuscht, da angeblich ein großer Ansturm an arbeitswilligen Backpackern herrsche und für uns momentan keine Jobs da wären. Wir könnten aber ein Formular ausfüllen, um auf eine Warteliste gesetzt zu werden.


„No, thank you. Cya later. “
Ich bin nicht hier um auf eine Warteliste gesetzt zu werden, sondern ich möchte schnelles Geld verdienen um mich über Wasser zu halten. Ansonsten wäre ich kein Backpacker.
So standen wir nun da. Das Geld war zwar knapp aber unsere Freiheiten kann uns keiner nehmen.
„Warum fahren wir nicht in den Süden, nach Melbourne und schauen uns in diesem Gebiet nach Arbeit um? Ich habe auf der Government Website gelesen, dass da unten verstärkt Backpacker gesucht werde“
Ilya und Hannes bejahten meine Frage, doch um diese Idee weiter auszubauen aßen wir zunächst eine Kleinigkeit in einem Pub in Wallangara. Wir waren die einzigen Besucher zu dieser Stunde und wurden gleich von der Betreiberin begrüßt. Bei Fish & Chips und einem leckeren Bier erzählten wir ihr unsere Lage, dass wir auf der Suche nach Arbeit sind.
Ihre Reaktion war darauf, dass sie einen Farmer kennen würde, der momentan auf der Suche nach ein paar Arbeitern wäre. Sie würde diesen gleich mal anrufen.
Eine Stunde später erschien auch der besagte Farmer im Pub und bot uns direkt einen Job für zunächst eine Woche an. Essen und Unterkunft inklusive.
„Das hört sich ja gut an. Besser als gar keinen Job zu haben.“
So ging es wieder zurück nach Tenterfield und von dort aus ca. 70 km ins Landesinnere, bis wir schließlich auf seiner Farm ankamen, abgeschirmt von der Zivilisation.
Wir wurden der Familie vorgestellt, bezogen unsere Zimmer und konnten schon am nächsten Tag mit der Arbeit beginnen.

Unsere Tätigkeiten sind beim Wiederaufbau seiner Farm zu helfen, die durch die Flut im Januar fast versenkt wurde. Das heißt, Bewässerungschläuche aufrollen, Schrott hin und her fahren, Reparaturen an Häusern und Zäunen durchführen, Waschmaschinen reparieren – ein Glück, dass ich drei Jahre Elektrotechnik hatte -, Fundamente legen und Brennholz sammeln und schneiden, das er dann weiterverkauft.



Es ist ein ganz anderes Gefühl, abseits von der „Zivilisation“ zu leben. Man steht hier fast jeden Tag um 5 Uhr auf, wäscht sich aus Eimern oder Kanistern, wenn die Pumpe ausgefallen ist, trinkt gefiltertes Regenwasser, bereitet sich das Frühstück und Abendessen durch einen Camping- Kocher zu und plagt sich mit giftigen Spinnen und Schlangen rum, die während der Arbeit einem über den Weg huschen. Abenteuer pur!
Doch durch die anfallenden Arbeiten, ist es mir erlaubt, mit dem Motorrad über die Felder zu ziehen, einen Ute mit Anhänger und später vielleicht auch noch den Traktor zu fahren und einfach das australische Farmleben kennen zu lernen und die Natur zu genießen.
Unser Aufenthalt, hier auf der Farm, hat sich jetzt auf zwei Wochen erhöht. Wir hoffen, dass wir noch eine dritte Woche arbeiten dürfen, um dann mit vollen Taschen Weihnachten und Sylvester in Melbourne zu verbringen.
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